DIE NACHT IST VOLLER LICHTER

Die Neumondphase lockt Fotografen hinaus in die Sommernacht. Die Fotografie der Milchstraße gilt als eine der Königsdisziplinen, denn zum Wissen um die Mondphasen kommen der Umgang mit der Kamera in der Dunkelheit und die Gefahren der Verwacklung durch lange Ich habe die richtigen Tipps für Sie, um den Nachthimmel erfolgreich zu fotografieren

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Die Milchstraße wird auch als Galaxis bezeichnet, in der sich unsere Erde und unsere Sonne befinden. Ihr Name stammt von dem griechischen Wort für Milch: „gala“. Sie besteht aus etwa 100 bis 300 Milliarden Sternen, die von uns aus gesehen als „bandförmige Erscheinung“ zu beobachten sind. Die alten Griechen glaubten, dass sich am Himmel eine Art göttlicher Milchstrom befände. Im Jahr 1609 erkannte Galileo Galilei, dass die Milchstraße aus Sternen besteht.

 

Seit Ende März können wir das Zentrum der Milchstraße auf der Nordhalbkugel am nächtlichen Horizont bewundern. Um die Milchstraße abzubilden, nutzen manche Fotografen ihre Kamera auf einem Stativ bei „kurzen“ Belichtungszeiten. Andere, die lichtschwache Objekte am Himmel anvisieren, verwenden astronomische Montierungen. Diese Montierungen können große äquatoriale Halterungen für große Teleskope sein oder auch kleine, portable Reisemontierungen wie der „Fornax Mounts Lightrack“, ein Zubehör für DSLR-Kameras, das von einem Astrofotografen nicht nur während einer Reise, sondern überallhin mitgenommen werden kann. Die fortgeschrittene Milchstraßen-Fotografie beinhaltet vielseitige Themenbereiche.

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Ein Himmel ohne Lichtverschmutzung, ganz dunkel – das ist die wichtigste Voraussetzung, um die Milchstraße beobachten zu können. Um diesen Zeit punkt zu ermitteln, hilft Ihnen zum Beispiel die App „PlanIt for Photographer“. Sie liefert ein Bild von der Bortle-Skala, also dem Ausmaß der Lichtverschmutzung, und informiert Sie präzise darüber, wann die Neumondphase beginnt. Denn auch der Mond ist ein wichtiges Kriterium. Er streut, insbesondere bei Vollmond, viel „Fremdlicht“ und reduziert die Sichtbarkeit der Milchstraße deutlich. Eine noch bessere Orientierung bietet Astronomiesoftware. Das Programm Stellarium beispielsweise, mit einer Datenbank von etwa 600 000 Sternen, ermöglicht es, die Milchstraße als Ganzes und einzelne Sterne, aber auch DeepSky-Objekte gezielt zu orten und aufzufinden.

LICHTVERSCHMUTZUNG

Der geprägte Teil der Milchstraße, also das Milchstraßenzentrum, ist zwischen März und September zu beobachten – das gilt insbesondere für die nördliche Himmelssphäre. Wie lange sie über dem Horizont steht, ist vom jeweiligen Längen- und Breitengrad des Standortes abhängig. Die beste Beobachtungszeit der Milchstraße ist im Sommer: Dann erstreckt sie sich wie gewohnt von Norden nach Süden. In Begleitung des Milchstraßenbandes sind in dieser Jahreszeit auch die Sternbilder Perseus, Kassiopeia, Schwan, Adler und Schütze zu beobachten.

WANN IST DIE MILCHSTRASSE SICHTBAR ?

DIE BESTEN APPS FÜR FOTOGRAFEN

Die besten Apps für Fotografen Gerade in der Astrofotografie sollten sich Fotografen gut auf ihr Shooting vorbereiten. Diese beiden Programme helfen dabei.

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Planit for Photographers

Planlt! for Photographers ist eine kostenpflichtige App für iOS und Android. Mit rund 10 Euro erscheint sie

eher teuer. Doch es steckt einiges in der App drin: So kann man sich die Lichtverschmutzung und den Sonnen und Mondverlauf anzeigen lassen.

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Stellarium

Stellarium ist ein quelloffenes Planetarium für Ihren Rechner. Es zeigt einen realistischen 3D-Himmel, so wie man ihn mit bloßem Auge, Fernglas oder Teleskop sehen kann. Die Software gibt es kostenlos für Linux, Mac und Windows auf stellarium.orq oder kostenpflichtig als App für iOS und Android.

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JE WENIGER DER SENSOR RAUSCHT, DESTO BESSER!

Kamera: Sie werden bei dieser Art der Fotografie mit hohen ISO-Werten arbeiten. Daher sollte die Kamera über ein durchschnittlich akzeptables Rauschverhalten verfügen. Denn es gilt: Je weniger Rauschen, desto mehr Details bleiben später erhalten. Optional ist auch eine astromodifizierte (Astroumbau) Kamera. DSLR /DSLRM im normalen Auslieferungszustand ab Werk bringen einen Nachteil mit sich: Bei der in der Astronomie wichtigen H-Alpha-Spektrallinie ist ihre Empfindlichkeit nur noch sehr gering. Werkseitig sind diese Kameras mit einem (IR)-Sperrfilter versehen, der den roten Spektralbereich dämpft/unterdrückt. Das Licht der wunderschönen roten Wasserstoffnebel schafft es nicht bis auf den Sensor, da das Licht dieser Wellenlängen von einem Filter in der Kamera ausgefiltert wird, um bei der normalen Alltagsfotografie eine effiziente Farbbalance zu bekommen. Durch den Ausbau dieses internen Infrarot-(IR)-Sperrfilters der Kamera wird die Empfindlichkeit im roten H-Alpha-Bereich deutlich erhöht, aus der Kamera wird eine „Astrokamera“!

Die astromodifizierte Version der Spiegelreflexkamera bietet also eine höhere Rot- Empfindlichkeit im Bereich von H-Alpha als die Originalversion.

JE KÜRZER DIE BRENNWEITE, DESTO LÄNGER KÖNNEN WIR BELICHTEN!

Lichtstarkes Objektiv: Um einen möglichst großen Bereich des Nachthimmels auf den Bildsensor bannen zu können, brauchen Sie ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv. Durch die Erdrotation „wandern“ die Sterne über den Nachthimmel und somit ist – wenn man Sternenspuren vermeiden möchte – die Belichtungszeit der Kamera begrenzt. Ein weitwinkliges Objektiv lässt neben einem größeren Ausschnitt der Milchstraße ebenfalls eine vergleichsweise lange Belichtung zu. Daher gilt: „Je kürzer die Brennweite, desto länger können Sie belichten". Das gleiche Prinzip gilt auch für die Blende: Je kleiner die Blendenzahl ist beziehungsweise je größer die Blendenöffnung ist, desto mehr Licht kann auf den Sensor fallen und somit können Sie die Belichtungszeit kürzer halten.

STATIV! 

Verwacklungen werden maßgeblich durch die Stabilität des Stativs reduziert, leichte Reisestative sind meist anfällig für Wind. Fernauslöser – Selbstauslöser: Ein Fernauslöser ist von großem Vorteil. Steht Ihnen keiner zur Verfügung, nutzen Sie den Selbstauslöser der Kamera, eingestellt auf zwei Sekunden Vorlaufzeit.

KAMERA VOREINSTELLUNG

1. Spiegelvorauslösung: Um sogar kleinste Verwacklung zu vermeiden, aktivieren Sie bei einer DSLR die Spiegelvorauslösung.

 

2. Bildstabilisator: Wenn Sie mit einem Stativ arbeiten, ist der Bildstabilisator in der Kamera sowie der im Objektiv überflüssig. Schalten Sie also beide ab.

 

3. Rauschunterdrückung: Um längere Wartezeiten zwischen zwei Fotos zu vermeiden, schalten Sie die kamerainterne Rauschuntedrückung bei Nacht immer aus.

4. Autofokus: Um trotz der schwierigen Lichtverhältnisse bei Nacht die volle Kontrolle über die Schärfe des Bildes zu erlangen, schalten Sie den Autofokus aus und fokussieren manuell.

 

5. RAW-Format: Um später die bestmögliche Nachbearbeitung erzielen zu können, fotografieren Sie immer im RAW-Format. Denn in einer RAW-Datei gehen keine Bildinformationen verloren.

 

6. Manueller Modus: Nehmen Sie bei der Astrofotografie immer alle Einstellungen manuell vor. Verwenden Sie daher den Modus »M«.

ERDROTATION UND DIE PHYSIKALISCHE GESETZE 

Die Erde rotiert, wie können wir dennoch lange belichten? Alle, die sich mit der Astrofotografie beschäftigen, werden bemerken, dass auch physikalische Gesetze unsere Arbeit beeinflussen. Eines davon ist die Erdrotation. Da die Erde ständig in Bewegung ist, bringt sie die Belichtungszeit unserer DSLR/DSLRM an ihre Grenzen. Je nach Brennweite ist eine Belichtungszeit zwischen 15 und 30 Sekunden möglich. Mit einer Nachführung sind viel längere Belichtungszeiten möglich, denn wie sagt man so schön: Belichtungszeit ist durch nichts zu ersetzen außer durch noch mehr Belichtungszeit. Die Himmelskörper zeichnen bei Belichtungen im Stundenbereich auf dem Sensor Bahnen. Deswegen kommt eine Nachführung ins Spiel, um die Sterne punktförmig abbilden zu können. Diese Montierung dreht sich mitsamt Kamera gegenläufig zur Erdrotation und ermöglicht es uns, Details und Strukturen zu erkennen, die man sonst nicht beobachten kann.

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Die Erde dreht sich um die Erdachse von West nach Ost

RICHTEN SIE DIE KAMERA FÜR WEITWINKELAUFNAHMEN EIN

Der Hauptzweck einer Reisemontierung ist, längere Belichtungszeiten beim Fotografieren des Himmels zu ermöglichen, um im Nachhinein einen spektakulären Sternenhimmel ohne Sternenzieher zu erhalten. Bevor diese zum Einsatz kommt, müssen wir zuerst die Rotationsachse an der Erdachse ausrichten respektive „einnorden“, indem wir mit dem Tracker auf den Himmelsnordpol „zielen“. Einnorden bedeutet, die Achse der Montierung in die Richtung des Polarsterns, also parallel zur Erdachse, einzustellen. Das gewährleistet, dass die Kamera mithilfe der (motorisierten) Montierung die Himmelsbewegung möglichst genau ausgleichen kann. Auf der Nordhalbkugel nivellieren Sie das Stativ und rotieren den Tracker nach Norden.

Kippen Sie anschließend den Tracker so lange, bis der Gradmesser mit dem Breitengrad Ihres Standortes in etwa übereinstimmt. Ihr Breitengrad zeigt Ihnen dann an, wie hoch der Himmelspol (Nordstern) über Ihnen ist

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WO FINDEN WIR DEN POLARSTERN?

 

Der Polarstern befindet sich in nördlicher Richtung je nach Breitengrad in verschiedener Höhe über

dem Horizont. Wenn man nun eine Gerade um etwaden fünffachen Abstand zwischen Beta und Alpha am Großen Wagen verlängert, dann gelangt man in die Nähe des Polarsterns. Verlängert man eine Gerade durch den mittleren Stern (Alioth) des Großen Wagens durch Polaris, so gelangt man ziemlich genau zum mittleren Stern des Sternbildes Kassiopeia (Navi).

 

Kassiopeia liegt in ihrer Längsausrichtung direkt in der Milchstraße. Schauen Sie durch den Polfinder (Guckloch) an der Montierung und bewegen Sie den Tracker, bis der Polarstern sichtbar wird. Wenn Sie mit einem Weitwinkelobjektiv von 30 Sekunden bis zu drei Minuten belichten wollen, ist eine gute Einnordung der Monierung erforderlich. Achten Sie daher darauf, dass der Polarstern in der Mitte des Gucklochs zu sehen ist. Für längere Brennweiten ab 50 mm ist eine genauere Einnordung erforderlich und dafür ist ein Polsucher (Polarscope) empfehlenswert.

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PRÄZISE EINNORDEN MIT DER KOCHAB METHODE

Die Kochab-Methode zum schnellen und genauen Einnorden mit Polarscope.

Die Kochab-Methode zur Einnordung mit Polsucher ist einfach, schnell und präzis. Sie macht sich zunutze, dass der Nordpol, Polaris und der Stern Beta Ursae Minoris (Kochab, der Rote im "Kasten" des kleinen Wagens) auf einer Linie liegen. Polaris liegt von Kochab aus kommend, hinter dem Nordpol, aber da der Polsucher ein umkehrendes Fernrohr ist muss man wie folgt vorgehen:

1. Stundenachse der Montierung ungefähr auf Polaris richten. Zuerst grob, und dann sollte man Polaris im Polsucher sehen. Die Feineinstellungen macht man dann mit den Azimut und Polhöhenschrauben am Montierungskopf.

 

2. In den meisten Polsuchern ist in der Mitte ein kleines Kreuzchen, das den Nordpol bezeichnen soll. Rundherum ist ein Kreis, da soll Polaris dann drauf zu liegen kommen, aber wo nun genau? Bei der Kochab-Methode kann man den noch kleineren Kreis auf diesem Kreis ignorieren, den braucht man nur wenn man die Rechnerei mit Datum, Stunde und Meridianabweichung macht.

 

3. Man sucht nun Kochab mit freiem Auge, und zieht in Gedanken die Linie zu Polaris.

 

4. Nun guckt man wieder durch das Polarscope, und stellt Polaris auf dem Kreis an jene Stelle, die genau zwischen dem zentralen Kreuzchen und Kochab (wie man ihn mit freiem Auge sieht) liegt. Fertig! Schrauben vorsichtig klemmen, damit Polaris am Platz bleibt.

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UMSETZUNG 

Fokussieren / Live-View: Wir möchten knackscharfe Fotos von Sternen erhalten. Dies gelingt lediglich durch das manuelle Fokussieren. Schalten Sie die Live-View-Funktion an und suchen Sie sich im Anschluss daran bitte einen hellen Stern. Wenn dieser anfixiert ist, vergrößern Sie das Bild mit der Vergrößerungsfunktion im Live-View-Modus bis zum Maximum. Daraufhin drehen Sie den Fokusring bis unendlich. Über das Display werden Sie beobachten können, dass die Sterne kleiner werden. Das ist genau der richtige Weg zum gewünschten Ergebnis. Als Nächstes bewegen Sie den Fokusring so lange, bis die Sterne nicht mehr kleiner oder größer werden. Dazwischen liegt die richtige Schärfe. Lassen Sie sich ruhig Zeit. Mit ein wenig Übung funktioniert das irgendwann binnen Sekunden. Nach der exakten Fokussierung rufen Sie die Haupteinstellungen der Kamera auf.

Da Sie mit der Reisemontierungnachführen, beginnen Sie mit ISO 800. Je nachdem, wie sich die ISO mit den anderen Kameraeinstellungen verträgt, können Sie den Wert entsprechend anpassen. Wir dürfen kein Licht verschenken.

Aus diesem Grund verwenden Sie die größte Blendenöffnung,über die das Objektiv verfügt.

Wie bereits erwähnt, ist die Verschlusszeit von zwei Faktoren abhängig. Zum einen ist das die genauere Einnordung der Montierung und zum anderen der jeweiligen Brennweite. Lassen Sie den Weißabgleich auf Automatik stehen. Doch im Grunde genommen ist ein Weißabgleich bei der Aufnahme nicht relevant da wir in Raw fotografieren, können wir diesen später in der Nachbearbeitung verändern und entsprechend anpassen.

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FINALE AUSARBEITUNG DER BILDER

 

Die Raw-Dateien sehen oftmals nebulös aus und wie bei jeder Bildbearbeitung hat der Anwender die Gestaltungsfreiheit. Wer seine Bilder dem nächtlichen Szenario nachempfindet, bevorzugt eher eine dezente Farbgebung. Wer sich allerdings mit plakativen Szenen der Öffentlichkeit präsentieren möchte, kommt nicht umhin, an den Reglern für Kontrast, Farbe und Sättigung zu drehen. Wichtig: Ihnen muss das Bild gefallen, da ist es durchaus auch erlaubt, etwas mit den Farben zu spielen.

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